drama?

Ze Zurrealism Itzelf


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Auf meinen Unterarmen leuchten Telefonnummern auf, schimmern die Namen vergangener Jahre, Namen der Menschen, die mich retten wollten. Er kann es noch, dieser Körper, er kann seine Farbe wechseln, wandbleich werden oder blau anlaufen auf blauem Teppichboden. Er vergisst nicht, er braucht nur ein falsches Wort, einen Grenzton, eine Feindberührung, um wieder von vorn anzufangen​. Ein kalter, dunstiger Geschmack im Mund und plötzlich ist alles schwarz, ohne Abstufungen, plötzlich gibt es in dieser Wohnung nur noch Dunkelheit, ich schreie, aber weil ich nichts mehr höre, könnte es genauso gut sein, dass das nicht wahr ist. Da sind meine Schultern, da sind deine Hände; ich taste mich an dir entlang zur Wohnungstür, die Treppen hinunter, über den buckligen Asphalt, stelle mir vor, wie die Bäume am Straßenrand aussehen, ihre schadhafte Rinden, ihre verzweigten Kronenerzählungen​​.

Irgendwann bald wird es wieder hell sein, wird es ganz hinten am Horizont wieder bunt aussehen, irgendwann bald werde ich wieder wissen, wie Schlafen geht, irgendwann bald werde ich das Haus verlassen und lächeln. Mein Leben ist wie meine Geschichten: unfertig, atemlos, für die meisten unverständlich. Irgendwann bald wird mir niemand glauben, dass ich immer noch ich bin, ein Höhlenkind, das nie gelernt hat, sich in warmen Tagen und Worten zusammenzurollen. Stillzuhalten, weil irgendwann bald vom Glück nur noch Fußabdrücke übrig sein werden, blasse Konturen vor einem überschäumenden Himmel.

Treibsandmoment

Und dann stehst du in einer Bahn, unter schlecht gelaunten, schlecht riechenden Menschen, starrst ins blasser werdende Licht und erinnerst dich, dass dort draußen alles weitergeht, egal, ob du an der richtigen Haltestelle aussteigst oder stundenlang durch die Stadt fährst, immer im Kreis - in der Richtung, die deine Gedanken nehmen, die unbeantworteten Fragen in deinem Kopf.

Was, wenn du nicht ausreichst, nicht für das duldsame Lächeln in einem Büro, nicht für eine Hand, die in deiner liegen bleibt, nicht für einen Abschied vom Wachliegen, Nacht für Nacht, nicht für das Selbst- und das Vorsorgen; nicht für den Mut, den es braucht.

Was, wenn du die Notfalltasche unter deinem Bett nicht antastest, weil du gar nicht mehr anders kannst als zu flüchten, sobald dir jemand zu nah kommt. Was, wenn du nur dich noch ein paar Schrecksekunden lang ans Lachen wagst, das laute, dreckige, unzensierte. Was, wenn du begreifst, dass du seit Jahren vor den gleichen Fragen wegläufst.

Was, wenn du den Staub von Gestern nicht abschütteln kannst, weil du versuchst, so zu tun, als wäre alles nicht so schlimm gewesen. Als hätte es keinen Schmerz gegeben, gestern, als hätte es keines der großen Worte gegeben, vor denen du wegläufst, aus Angst, dass du nicht mehr aufstehen kannst, sobald sie einmal in deinem Mund liegen, schwer, scharfkantig. Was, wenn sie genau deswegen nicht aufhören, diese Treibsandmomente, in denen du nur zuschauen kannst, wie die Welt dich überholt, dich zurücklässt, irgendwo dort, wo dich niemand mehr kennt.

Bilddank an aspire the senses.

Hörst du?

Es gibt ja kein Papier mehr, auf dem ich schreibe, ich stelle mir nur vor, wie es wächst, wie das Weiß mich eines Tages ganz umgeben wird, wie mein Raum ausgefüllt sein wird mit allem, was ich nicht gesagt habe. Was einfach unter den Tisch gefallen, im weichen Teppich des Alltags versunken ist, in der blau gepuderten Gewohnheit, im Lächeln und Grüßen, im Essen und Schlafen des Arbeitstiers.

Aber manchmal, wenn ich mich in der Feierabendsonne nach Hause taste, wenn das Licht genau richtig fällt und der Wind zart durchs Haar zaust, tauchen sie nach oben, die Buchstaben, die Sätze, die nicht sein durften. Wenn die anderen, die Fremden, plötzlich lächeln, wimpernschlaglang, die Fremden auf dem Bahnsteig, die Fremden in der Supermarktkasse, die Fremden hinter einem Tresen. Lächeln gibt es also noch. Manchmal auch Worte. Und ich lächle und spreche zurück, und ich denke, ich könnte jemand ganz anderes sein, der Mensch vielleicht, der ich in meinen Gedanken bin. Lauter. Fordernder. Furchtloser. Ich würde nicht nur Hände schütteln, sondern auch Münder küssen. Lachen und schreien. Nur Atem holen, um das Weiß des Papiers mit allem zu füllen, mit allem, was da ist, und währenddessen: sicher sein. Dass es auch dich dort draußen noch gibt. Dass du eines Tages hinter all dem Lächeln und Küssen auftauchen wirst. Dass du nicht vergessen hast, dass wir gerade erst anfangen. Dass ich bei dir nicht mehr lügen werde, wenn ich am Telefon sage: Ich bin’s.

Ich glaube daran, dass es dich gibt, ich glaube daran, dass ich deinen Namen nehmen darf, wenn ich meinen eines Tages Leid bin. Ich glaube an die glatte Kühle hinter dem Spiegel. Ich Ich glaube an sonnendurchschienene Katzenohren und mehlbestäubte Finger, die sich ineinander verschränken. Ich glaube an die Möglichkeit einer guten Nacht. Ich glaube an Kuchenteig. Ich glaube an die Sagbarkeit von Freude.

(Hörst du? Wir werden wachsen, weil Platz ist für uns.)

für M.

Ich erinnere dich in Schnappschüssen. Ich liege im Krankenhaus, draußen ist Sommer, drinnen wird die Luft eng, drinnen atmen die, von denen die draußen nichts wissen wollen. Drinnen erreichen mich deine Briefe, deine fein geschwungene Schrift.

Du schreibst, dass das Licht nach den dunklen Jahren unfassbar sein wird. Ich glaube dir nicht, und ich tue dir unrecht. Denn du hast Recht. Ich werde jeden Tag über das Blutrot des Sonnenuntergangs staunen, über die Weite des Himmels, über Blumenfarben am Straßenrand, ich werde mit dem Wind lachen, der mir das Haar zerzaust, und ich werde verstehen, dass ich in der Dunkelheit zum Schreiben gefunden habe.

Du hast die richtigen Fragen gestellt, von Anfang an, aber ich konnte nur wenige davon beantworten. Mir zerstob jeder Ausdruck, jede Metapher, die eben noch glatt auf meiner Zunge gelegen hatte. Ich konnte mich auf meine Worte nicht mehr verlassen. So sehr hast du mich aus der Fassung gebracht.

Du liebst die norwegische Sprache nicht ohne Grund, denke ich heute. Tief gesprochene, fast gesungene Worte, von klarer Struktur, zurückhaltend, aber liebevoll.

Ich würde gern all meine Briefe an dich neu schreiben. Würde rechtzeitig erkennen, wie viel Platz für Sorge in deinem Lächeln steckt. Ich habe dir nicht oft genug gesagt, dass du so viel mehr erreicht hast, als du glaubst. Weil du zu dir geworden bist. Du bist der schönste Mensch, den ich je gesehen habe. Und am schönsten warst du im Wort, in deinen Gedanken. Du wolltest ein Buch schreiben, und du wusstest, dass das Wichtigste die Widmung ist.

Du hast jemanden geliebt, eine Liebe, die Wundbrand war. Du warst so demütig angesichts dessen, was du verloren hast. Du trugst nicht schwer an deinem Schmerz, du trugst schwer an Ungeduld, am Warten auf den Tag ihrer Rückkehr. Für diese Frau hättest du alles hinter dir gelassen. Ich habe dir nicht gesagt, dass ich gern diese Frau gewesen wäre. Oder wie sehr ich mich in deine Angst vor Belanglosigkeiten verliebt habe. Oder dass du immer Teil von mir sein wirst. So ist das eben mit den Menschen, die im Dunkeln deine Hand nehmen. Wenn du nichts mehr sehen kannst, wirst du umso stärker fühlen.

Ich habe deine Stimme verloren, weißt du. Es ist zu lange her. Ich würde sie unter vielen nicht wieder erkennen. Aber ich wünsche mir, dass ich das nicht muss. Ich wünsche mir, dass wir uns eines Tages an irgendeinem Bahnhof gegenüberstehen, müde von der Fahrt und vom Vorfreuen, und dass ich dir sagen kann: Ich habe es damals nicht gewusst, aber du hast mir das Leben gerettet.